Radikaler Angriff auf die Integration


von Judith Samson / März 2026

Judith Samson ist als Kursleiterin für Deutsch als Fremdsprache bei der Volkshochschule tätig.

Anfang Februar dieses Jahres wurden meine Kolleg*innen bei der VHS und anderen Bildungsträgern völlig überrascht von der Nachricht, dass das BAMF seit November letzten Jahres Asylbewerber*innen keine Berechtigungen mehr für Integrationskurse ausstellt.

Seitdem hat es einen großen Aufruhr in den Medien, bei den Bildungsträgern und in der Politik gegeben, der auch zu einem handfesten Konflikt der Koalition führte. „Offenbar erinnert sich niemand mehr, was für eine Errungenschaft diese Kurse waren“, schreibt die Süddeutsche Zeitung (SZ) am 26.2.26, und erinnert daran, dass vor ihrer Einführung vor 20 Jahren hochqualifizierte Flüchtlinge, damals aus Jugoslawien, einfach in Camps herumsaßen, ohne irgendetwas tun zu können.

Seither haben vier Millionen Menschen an den Sprachkursen teilgenommen und sind größtenteils in den Arbeitsmarkt integriert worden. „Wohl selten zuvor sollte ein solcher Fortschritt radikaler eingerissen werden als in diesen Tagen“ formuliert die SZ treffend. Und das angesichts der Tatsache, dass uns in knapp 10 Jahren sieben Millionen Arbeitskräfte fehlen werden!

Schockiert waren die Bildungsträger nicht nur von der Tatsache an sich, sondern auch darüber, dass das Ministerium sie überhaupt nicht informiert hatte. Dieses Vorgehen bedeutet einen massiven Vertrauensbruch.

Wer mit uns dagegen protestieren möchte, kann die Petition der GEW auf der Plattform von Campact unterzeichnen. Die Unterzeichner*innen fordern die Bundesregierung auf, den vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) verfügten Zulassungsstopp für Sprach- und Integrationskurse zurückzunehmen. Dieser betrifft aktuell ca. 130.000 Asylbewerber*innen, Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine, EU-Bürger*innen und Menschen, die mit einer Duldung in Deutschland leben. Rund die Hälfte der Integrationskurse würde dadurch in Zukunft nicht mehr stattfinden, viele Träger befürchten Insolvenz oder Personalabbau. Davon betroffen sind direkt oder indirekt auch fast 20.000 Lehrkräfte, die jetzt nicht wissen wie oder ob es mit ihren Arbeitsplätzen weitergeht.

Und kommt bitte am 09.04. um 15 Uhr zur Demo in Hamburg vor der CDU-Fraktion, Schmiedestr. 2! ■