von Marie, Lena und Layan aus Leipzig / Februar 2026
Es ist gar nicht so leicht, die richtigen Worte zu finden, um unsere Erlebnisse und Eindrücke zu beschreiben, aber wir möchten es versuchen. Jeder Mensch hat ein gewisses Schubladen-Denken. Denn sonst wäre unser Geist wohl überfordert, er bestünde nur aus Chaos. Und trotzdem oder gerade deshalb ist es wichtig, sich mit den eigenen Vorurteilen zu beschäftigen und den unhinterfragten Normen in sich zu begegnen. Dies funktioniert wahrscheinlich am besten, indem man wirklich begegnet: anderen Lebensweisen, anderen Menschen mit ihren anderen Erfahrungen und Überzeugungen, anderen Verständnissen von Glück, Verantwortung und Gemeinschaft.
Dieser Ort der echten Begegnung war für uns Brot & Rosen, ein Ort der Begegnung mit anderen – und dadurch auch mit uns selbst. Er erweitert den Blick für das, was möglich ist.
Schon als wir am ersten Tag ankamen und uns neugierig in diesem so heimeligen und überraschend familiären Haus umsahen, wurden wir mit warmer, frischer Linsensuppe von ebenso warmen, offenen Menschen empfangen. So schnell wie wir in den Kreis der Gemeinschaft aufgenommen waren, so schnell durften wir auch am alltäglichen Leben teilnehmen. Besonders die Intimität und Nähe, die wir bei den Andachten spürten und von herkömmlichen Andachten aus der Kirche gar nicht kannten, beeindruckten uns sehr. Genau wie die ausgelassene, scherzhafte, fröhliche Stimmung beim gemeinsamen Abendessen oder die interessanten politischen Diskussionen am Frühstückstisch.
Diesen Ort machen seine Menschen aus, die beständigen ebenso wie die wechselnden. Besonders die Gespräche mit ihnen machten unsere Zeit dort so wertvoll. Danke, Birgit, für deine Fürsorge, danke, Birke, für den wertvollen kulturellen Input, danke, Elli, für deine Ermutigung zum kritischen Denken, danke, Uta, für dein fröhliches Gemüt, danke, Setareh, für deine ausgestrahlte Ruhe und Wärme, danke, Mohammed, für deinen Witz und Charme, danke, Dietrich, für deinen Mut und alles Gute in Palästina, danke, Judith, für die Einblicke in die Kirchenwelt, danke, Said, für den Perspektivenwechsel.
Es gibt unglaublich viele Lehren, Anstöße, Hoffnungen, Motivationen und Erinnerungen, die wir aus unserem Besuch mitnehmen. Und wir sind dankbar und froh, den Mut zu dieser Reise gehabt zu haben, um diese andere Art der gelebten politischen Verantwortung und Beherzigung des christlichen Glaubens erleben zu können. Es hat uns inspiriert zu einem neuen Blick auf zivilen Ungehorsam und zivile Courage, ja, der Pflicht dazu, wie auch zu Nächstenliebe und Mitgefühl. Das sind Werte die wir uns nicht nehmen lassen dürfen von diesem kaputten System. Zu Offenheit und der Wahrnehmung, echter politischer Verantwortung sowie zum Glauben an die Kraft der Gemeinschaft, der dort wirklich lebendig geworden ist. Wenn wir Empathie und Neugierde zusammen mit dem Mut zur Veränderung bewahren, können wir scheinbare Utopien, im Kleinen wie im großen, Realität werden lassen.
Wir bedanken uns für eure Gastfreundschaft, Wärme und Authentizität.
Herzliche Grüße und eine liebe Umarmung! Marie, Lena & Layan ■

