Frieden üben


Chris D. (gelbe Warnweste) in Volkel inmitten der niederländischen Catholic Worker-Freund*innen

von Christiane Danowski / Oktober 2025

Im Herbst habe ich an drei Demonstrationen gegen Atomwaffen teilgenommen: in Belgien, den Niederlanden und in Deutschland. Alle drei Länder haben US-amerikanische Atomwaffen in ihrem Land stationiert. Sie alle verweigern den Beitritt zum Atomwaffenverbotsvertrag (AVV) der UNO. Und alle drei Länder begründen ihr Handeln mit den NATO-Bündnisverpflichtungen, welche eine Abschreckung und Verteidigung durch Atomwaffen notwendig machen sollen.

Und in allen drei Ländern wurde bunt und friedvoll gegen die NATO-Atomkriegs-übung Steadfast Noon demonstriert.

Am 27. September versammelten sich ca. 150 Menschen zu einem Protestmarsch durch die schöne Natur in der Nähe des Luftwaffenstützpunktes Kleine-Brogel in Belgien. Die Friedensaktivistin Susan aus Amsterdam äußerte in ihrer Rede eine hoffnungsvolle Logik: „Wenn eines der Nachbarländer Belgien, Deutschland und den Niederlanden erste Zeichen für die Abrüstung von Atomwaffen gibt, können die anderen Länder leicht mitmachen.“ Zum Abschluss hielten wir an einem…Nebentor der Basis eine Schweigeminute zum Gedenken an alle Opfer der Atomangriffe auf Japan, der Atomtests der Atommächte und der Opfer beim Uranabbau für Atomwaffen ab. Mit einem „Die-in“ verbildlichten wir mit unseren Körpern auf dem Boden, was uns alle erwartet, wenn die hier stationierten Atomwaffen zum Einsatz kommen.

Zwei Wochen später in Nörvenich in Deutschland durfte ich nicht nur an der Demonstration teilnehmen, sondern war auch als Sprecherin auf dem Podium eingeladen. Am 11. Oktober kamen ca. 300 Menschen am Haupttor des dortigen Fliegerhorstes zusammen, um gegen die jährliche NATO-Übung zur nuklearen Abschreckung zu demonstrieren. In meinem Statement erinnerte ich uns daran, dass jede und jeder im Widerstand gegen Unrecht zählt. Dass wir nicht aufhören dürfen, auf die Straße zu gehen und vielleicht sogar einen Schritt weiter, durch den Zaun des NATO-Geländes, so wie es kurz darauf in Volkel geplant war.

Im Rahmen von „Steadfast Noon“ wird jährlich mit Atombomben-Attrappen elektronische Kriegsführung und die Aufklärung über „feindlichem“ Territorium geübt. „Wir müssen dies tun, weil es uns hilft, sicherzustellen, dass unsere nukleare Abschreckung so glaubwürdig, sicher und wirksam wie möglich bleibt“, sagte Mark Rutte in seiner Rolle als NATO-Generalsekretär 2025. In diesem Jahr wurde die NATO-Übung von den Niederlanden mit der Volkel-Luftwaffenbasis als Haupt-Stützpunkt ausgerichtet.

Unter dem Motto „Frieden üben“ setzten wir in den Niederlanden eine bunte Aktion dagegen. Das Noelhuis, eine Catholic Worker-Gemeinschaft in Amsterdam, hatte am 16. Oktober ein Picknick am Zaun des Fliegerhorstes Volkel organisiert und 15 Friedensaktivist*innen kamen zusammen. Nach einer kurzen Einführung mit Worten und Gesang pflanzten wir ca. 50 Bäume auf einem Feld in Sichtweite zur Start- und Landebahn in der Hoffnung, dem wahnsinnigen CO2-Ausstoss der Kampfjets symbolisch etwas entgegen zu setzen. „Wenn die Bäume wachsen, wird es ein bisschen schwieriger für die Kampfflieger, hier zu starten und zu landen“, so Frieda, die gerade erst vor zwei Wochen zu einer Geldstrafe verurteilt worden war. Sie hatte vor drei Jahren mit internationalen Friedensaktivist*innen die Start- und Landebahn in Volkel besetzt. „Hier wird geübt, wie man so effizient und effektiv wie möglich die ganze Welt vernichten kann. Das Wachsen von Bäumen dauert lange, und auch für den Frieden brauchen wir Geduld“ sagte Nikki vom Noelhuis. Nach einem kleinen Picknick begannen fünf Friedensaktivist*innen mit rosa Schaufeln einen Tunnel unter den Zaun zum Fliegerhorst zu graben, um mit einer Besetzung der Start- und Landebahn die Atomkriegsübung zu unterbrechen. Sofort nach dem ersten Spatenstich wurden alle fünf Personen in polizeilichen Gewahrsam genommen und in der nächstgelegenen Polizeistation erkennungsdienstlich behandelt. In den niederländischen Medien wurde sowohl in Tageszeitungen, Fernsehen und Radio als auch in den Social Media ungewöhnlich viel über unseren Aktionstag berichtet, sicherlich aufgrund der Führungsrolle des Fliegerhorstes Volkel in der NATO-Übung.

Die rosa Farbe unserer Schaufeln zeigt Gewaltfreiheit. Das Tunnelgraben in Volkel steht in einer Reihe von mehreren Rosa-Schaufeln-Aktionen in den vergangenen Jahren, mehrfach in Volkel und in Büchel.

Alle drei Demonstrationen in den drei Ländern waren lebhaft, bunt und fröhlich. Und klein. Aber ich glaube an die Kraft der kleinen Dinge. Von meinem US-amerikanischen Freund Brian Terrell habe ich die Worte von Pete Seegers gelernt: „Ich bin überzeugt, dass wenn die Welt diese gefährlichen Zeiten überlebt, dann waren es zehn Millionen kleine Dinge, die dazu beitrugen. ■

Chris Danowski war 1996 – 2003 Brot & Rosen-Mitglied. Sie ist Teil der internationalen Catholic Worker-Bewegung und in der Gewaltfreien Aktion Atomwaffen Abschaffen (GAAA) aktiv. Dieser Artikel erscheint ebenfalls in „FriedensForum – Zeitschrift der Friedensbewegung