Stoppt den Völkermord!


von Hadas Emma Kedar/ April 2025:

Folgende Rede hielt Hadas beim Ostermarsch am 21.4.2025 in Hamburg. Hadas ist eine Israelin jüdischer Abstammung, die in Hamburg an einer Promotion in Kommunikationswissenschaften arbeitet und an der Hamburger Volkshochschule Hebräisch unterrichtet.

Seit Oktober 2023 hat Israel mindestens 61.000 Menschen getötet – ein Drittel davon Kinder. Unzählige wurden verletzt oder werden noch immer vermisst. Die humanitäre Lage ist katastrophal und absichtlich von Israel herbeigeführt.

Im besetzten Westjordanland hat Israel mehr als 900 Menschen getötet, darunter mindestens 180 Kinder.

Diese Zahlen sind keine abstrakten Daten. Es sind Geschichten von Leid – von jenen, die ermordet wurden, und von jenen, die mit dem Schmerz weiterleben müssen.

Ich bin Hadas, israelische Staatsbürgerin, jüdischer Abstammung, Nachfahrin von Holocaust-Überlebenden aus Polen und Ungarn. Seit Israel seinen Völkermord an den Palästinenser*innen begonnen hat, bin ich für viele Deutsche eine „schlechte“ Jüdin. Denn ich folge nicht meinen brutalen kolonialen Vorfahren. Ich lehne die Besatzung Palästinas ab. Ich bin keine Zionistin – ich bin Anti-Zionistin. Ich widersetze mich dem israelischen Militär. Ich rufe Israelis auf, den Kriegsdienst zu verweigern!

Ich bin eine „schlechte“ Jüdin. Denn ich stimme nicht überein mit der deutschen „Staatsräson“. Ich unterstütze nicht die deutsche Unterstützung Israels. Ich lehne besonders die Lieferung von Waffen aus Deutschland ab.

Ich bin eine „schlechte“ Jüdin. Denn ich kritisiere die israelischen und deutschen Regierungen, die für diesen Genozid verantwortlich sind – in meinem Namen, für meine „Sicherheit“.

Ich bin wütend, wenn Deutschland beginnt, Aktivist*innen wegen ihrer Solidarität mit Palästina abzuschieben – wie bei vier Demonstrant*innen in Berlin geschehen! Das war nicht das deutsche Versprechen nach den Schrecken des Zweiten Weltkriegs!

Also, ich bin einfach eine Jüdin, eine Frau, ein Mensch.

Ich gehöre zu den Jüd*innen, vor denen, denke ich, Deutschland Angst hat, die die Palästinenser*innen als ein Volk anerkennen. Wir erkennen Palästina als die Heimat der Palästinenser*innen an. Wir erkennen die Nakba und die Jahre der Ungerechtigkeit und des Grauens gegen das palästinensische Volk an. Wir erkennen die Besatzung ihres Landes an, die immer stärkere Kontrolle über ihr Leben. Wir erkennen ihr Recht auf Rückkehr an!

Edward Said (US-amerikanischer Literaturtheoretiker und -kritiker palästinensischer Herkunft) schrieb: „Es ist ein verbreiteter, aber völlig falscher Glaube, dass Juden und Araber seit jeher Feinde sind. Tatsächlich sind sie semitische Völker, historisch miteinander verwoben, kulturell ähnlich und sprachlich verwandt. Die Feindschaft ist nicht uralt, sondern politisch.“ (Said, The Question of Palestine, 1979)

Ich gehöre zu den Jüd*innen, die für ein Zusammenleben mit Palästinenser*innen eintreten, in echtem Frieden, zwischen dem Jordan und dem Mittelmeer.

Dafür müssen wir – Deutsche, Palästinenser*innen und Jüd*innen – gemeinsam aufstehen und sagen: 
Stoppt den Völkermord! 
Stoppt die Waffenlieferungen an Israel! Das bedeutet: alle Rüstungsgüter und Dual-Use Güter. Spielt nicht mit juristischen Tricks – Eure Waffen helfen beim Morden, Kontrollieren und Vertreiben – sie töten Kinder und Babys!

Wir kämpfen in Solidarität mit dem palästinensischen Volk – für das palästinensische Volk. Für uns alle! 
Wir werden nicht schweigen! 
Free free Palestine! Stop the Genocide! ■