Diakonische Basisgemeinschaft in Hamburg
Arbeit für Frieden und Gerechtigkeit
Gastfreundschaft für Flüchtlinge
Leben in Gemeinschaft
Entstehungsprozesse

von Christiane Danowski / September 2002

Die Sonne scheint kräftig durch das Fenster und läßt die frisch gestrichene Küche erstrahlen. Aber nicht nur äußerlich sichtbar ist unsere Gemeinschaft im Prozeß.

Seit kurzem dringen wieder Babylaute durch unser Haus: Am 22. Juli wurden Elias und Daniel Gerstner geboren. Alle sind gesund und meistens auch sehr munter und lassen ein Lächeln auf den Gesichtern erscheinen, die auf sie herunter gucken.

Diese wieder neue Situation innerhalb der Gemeinschaft - nun ist die Kleinfamilie fast schon eine Großfamilie - hat neue Fragen entstehen lassen und alten wieder Raum gegeben. In mehreren Gesprächen, die teils begleitet wurden von unserer Freundin Susanna Brauer, wollen wir den Motiven und Bedingungen unseres Zusammenlebens mit Flüchtlin-gen auf den Grund gehen. Wie schon öfter berichtet, müssen wir wahrnehmen, dass die in unserem Haus lebenden Flüchtlinge zunehmend schlechtere Chancen im Asylverfahren haben. Immer seltener gibt es eine Perspektive für eine geregeltes Leben allein und immer länger werden die Zeiten bei uns. Das hat Auswirkungen auf die gesamte Hausgemeinschaft.

Inwieweit bedeutet das Aufnehmen auch ein Übernehmen von Verantwortung? Wo ist das automatisch entstehende Abhängigkeitsverhältnis der Flüchtlinge von uns verantwortbar und wo müssen wir etwas verändern? Und wie? So nähern wir uns zum Beispiel der Idee, den Entscheidungsprozess unserer Gäste strukturierter zu begleiten und durch regelmäßige Gespräche zu gestalten - regelmäßiger als sie momentan stattfinden. Oder wäre eine Art Vertrag, der zu Beginn des gemeinsamen Wohnens geschlossen wird, hilfreich? Das würde für der aufgenommenen Person mehr Sicherheit geben im gemeinsamen Leben und hoffentlich das Gefühl der Abhängigkeit verringern.

Angestoßen wurden wir dazu unter anderem durch ein Gefühl der veränderten Lage der Flüchtlinge, die zu uns kommen. Aber auch durch unsere eigenen Veränderungswünsche innerhalb der Gemeinschaft. So hat der Umzug der Familie Gerstner, der nicht nur allein durch die Ankunft von Zwillingen nötig geworden war, ebenso z.B. bei mir Fragen offen gelegt, wie ich dauerhaft in dieser Gemeinschaft leben kann.

Auch für einige MitbewohnerInnen im Haus steht ein Umzug an. Ahmed z.B. hat alle notwendigen Papiere, um eine eigene Wohnung zu beziehen. Aber in allen Besuchsterminen macht er immer wieder eine Erfahrung: Als Schwarzer zieht man den Kürzeren. Hier brauchen wir Eure Unterstützung:

 

Wohnung gesucht!

Oft haben unsere MitbewohnerInnen auf dem Wohnungsmarkt keine Chance, weil sie die falsche Hautfarbe haben. Daher brauchen sie Ihre und Eure Hilfe:

Wer vermietet preisgünstige kleine Wohnungen oder Zimmer in WG im Raum Hamburg? (eine davon im Moment im Landkreis Harburg, Niedersachsen)

Bitte melden Sie sich unter 040 - 69 70 20 85!

 

Vor ein paar Wochen ist auch Angela aus unserer Hausgemeinschaft ausgezogen. Nach einigen Jahren in unserem Haus ist sie nun in ihr Heimatland Ghana zurück gereist. Die Zukunft ist offen. Uns allen fiel der Abschied von Angela nicht leicht. Das gemeinsame Wohnen hat uns in den vergangenen drei Jahren schon sehr zusammenwachsen lassen. Deutlich war uns allen auch, welch wichtige Rolle Angela als Bindeglied zwischen Lebensgemeinschaft und Flüchtlingen im Haus hatte. Nun begleiten wir sie durch Emails und Telephongespräche in ihrem Lebensprozess in Ghana. Nachdem sie ihre Ausbildung zur Familienpflegerin in Deutschland beendet hat, hat sie nun in ihrer Heimatstadt schon ein Praktikum im Krankenhaus begonnen. Wir wissen, wie gerne Angela Krankenschwester werden würde. Sie schreibt über ihre Erfahrungen in ihrer Heimat: "Bei uns gibt es Krankheiten wie HIV, Malaria, Koschuko, Herzinfarkt und andere. Was mich traurig macht, ist, es gibt viele Kinder bei uns, die Behandlung brauchen, aber die Eltern haben kein Geld und deswegen werden sie entlassen, ohne dass sie gesund sind. Es ist sehr schade."

Die vergangenen Wochen bei uns waren geprägt von Menschen auf Reisen. Da war es toll, dass Christiane aus Münster, die mal als Freiwillige im Haus mitgelebt hat, ihren Urlaub gespendet hat, um uns drei Wochen lang im Haus zu unterstützen.

Unterstützt - vor allem beim großen Zimmertausch Ende Mai - haben uns auch Felicitas und Christina, die von einer Schule in Süddeutschland im Rahmen ihrer "Tage der Orientierung" eine Woche lang unser Haus kennen gelernt haben.

Die Besuchsanfragen von Menschen, die uns gerne kennen lernen möchten, haben wir in dieser Zeit erst mal absagen oder verschieben müssen. Aber das nächste Besuchs-Wochenende ist schon in Planung: Von Freitag, den 20. bis Sonntag, den 22. September laden wir wieder herzlich dazu ein, in einer kleinen Gruppe ein ganzes Wochenende lang unser Leben und unser Haus der Gastfreundschaft kennen zu lernen.

Zeit für ganz privaten Besuch aber bleibt doch immer mittendrin. So haben wir für einige Tage Mikes Familie Horner aus Colorada, USA, willkommen geheißen, die uns zwischen ihren Sternreisen durch Deutschland mit frischen Brötchen erfreut haben.

Zwischendurch vergessen wir natürlich auch das Feiern nicht. Das große Geburtstagsfest zum Vierzigsten von Birke hat viele Menschen in unser Haus gebracht. Darauf hoffen wir auch bei unserer nächsten Gemeinschaftsparty: Am Samstag, den 28. September wird gefeiert! Zum Auftakt der interkulturellen Woche laden wir ab 19 Uhr ein zu einer Party unter dem Motto "Fremd Gehen". Herzlich willkommen in der Fabriciusstrasse!



Mittragen

Unsere Gastfreundschaft für obdachlose Flücht­linge wird erst mög­lich durch Spenden und ehren­amtliche Mitarbeit
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Mitfeiern

Hausgottesdienste, Offene Abende und immer wieder mal ein Fest: Herzlich will­kommen bei uns im Haus der Gast­freund­schaft
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Mitbekommen

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Mitleben

Immer wieder fragen uns interessierte Menschen, ob und wann sie uns be­suchen kommen können. Wir freuen uns sehr über dieses Inter­esse.
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