Diakonische Basisgemeinschaft in Hamburg
Arbeit für Frieden und Gerechtigkeit
Gastfreundschaft für Flüchtlinge
Leben in Gemeinschaft
Blühende Rosen

von Birke Kleinwächter / Juni 2001

Der sonnige Mai ermöglichte es, dass Teile des Lebens im Haus der Gastfreundschaft nach draußen verlagert werden konnten, wo inzwischen die ersten Rosen blühen.

So nahmen wir die eine oder andere Mahlzeit auf der Terrasse ein und verbrachten Zeit im Kleingarten. Kleine Höhepunkte waren das schon traditionelle Osterfeuer im Garten von Familie Schild und unsere Einladung an FreundInnen und NachbarInnen zum gemeinsamen Kaffeetrinken im Mai. Zum Hamburger Kirschblütenfest dann haben wir von Booten aus das Feuerwerk auf der Außenalster bewundert. Es wird also nicht nur gearbeitet bei uns im Haus!

Die Stimmung im Haus ist gut. Es ist bewundernswert, wie fröhlich und herzlich unsere MitbewohnerInnen sind. Denn die Geduld, die ihnen von Seiten der Behörden abverlangt wird, würde manchen von uns zur Verzweiflung treiben. Unverständlich bleiben Entscheidungen, die einem mit Duldung lebenden Flüchtling einen zuverlässigeren Aufenthaltsstatus auch dann vorenthalten, wenn eine Rückkehr ins Heimatland aufgrund politischer Verfolgung ausgeschlossen ist. Oder solche, die einem Menschen das Recht verwehren, dort zu leben, wo eine bessere medizinische Versorgung gewährleistet wird.

Im Rückblick zeigt sich, wie ereignisreich die vergangenen drei Monate waren. In diesem Jahr haben wir die Passionszeit intensiv erlebt. Am 1. April besuchten wir das ehemalige Konzentrationslager Neuengamme. Auf eben diesem Gelände befinden sich heute zwei Strafvollzugsanstalten, die die Stadt Hamburg ohne Gespür für den Ort eingerichtet hat. Im Anschluss an den Rundgang berichtete der ehemalige KZ-Häftling Eugenius Sokolowski von der Cap-Arcona-Katastrophe der letzten Kriegstage. Am Karfreitag dann veranstalteten wir gemeinsam mit anderen zum zweiten Mal einen politischen Kreuzweg. Dieses Jahr führte er uns unter dem Motto "Es geschieht heute - Kreuzweg für die Rechte der Flüchtlinge" durch die Hamburger Innenstadt. Trotz des kalten, schneidenden Windes nahmen immerhin 70 Menschen teil! Am Ende unseres Weges waren wir uns einig: Es wird auch im kommenden Jahr einen Kreuzweg geben.

Im Mai wurde Ute in einem sehr schönen Festgottesdienst als Pastorin der Thomaskirche, unserer Ortsgemeinde, eingeführt. Naomi ist Ende Mai in die USA zurückgekehrt. Wir vermissen sie alle sehr. David wird vor Erscheinen des nächsten Rundbriefes Brot & Rosen ebenfalls verlassen. Er wird ab Ende August an der International School in Berlin unterrichten. Dafür erwarten wir einen neuen Freiwilligen: Im August wird Mike Horner aus den USA für zwei Jahre ins Haus der Gastfreundschaft einziehen.

Eine Woche nach Ostern lief ich beim Hamburger Marathon mit, ab km 25 begleitet von Dietrich. Nach 3:51:59 Stunden kam ich ins Ziel und blieb somit unter der "magischen" 4-Stunden-Grenze. Der damit gekoppelte Spendenaufruf "Schritt für Schritt für Brot & Rosen" erbrachte überwältigende 1544,36 DM. Wir danken allen, die sich daran beteiligt haben, sehr herzlich! Für uns war es ermutigend zu erleben, dass auch ein solcher Aufruf so viel Widerhall findet. Fundraising ist immer ein Thema bei uns. Und mit der neuen Wohnung sind wir natürlich auch auf der Suche nach neuen SpenderInnen.

Zwischenzeitlich konnte die neue Wohnung bezogen werden. Ein schon länger im Haus lebender Flüchtling ist mit ins Nebenhaus gezogen. Dadurch haben wir jetzt endlich wieder Platz für einen neue/n Mitbewohner/in.

Nachdem wir im März noch ins Wendland gefahren sind, um dort mit vielen anderen gegen die Castortransporte zu protestieren, rollen inzwischen allmonatlich Castoren mit ihrer gefährlichen Fracht von den AKWs in Stade und Brunsbüttel direkt durch unseren Nachbarstadtteil Hamburg-Barmbek. Dort besteigen wir regelmäßig die S-Bahn, wenn wir in die Innenstadt fahren. Mit einer Flugblattaktion machten wir PassantInnen auf die Atommülltransporte aufmerksam und regten an, auf Ökostrom zu wechseln. Die Resonanz war erfreulich groß.

In den letzten Rundbriefen berichteten wir von Susan van der Hijdens und Martin Newells Pflugscharaktion. Am 21. Mai wurden sie wegen ihres Einsatzes gegen Atomwaffen zu 12 Monaten Haft verurteilt. Da sie über die Hälfte der Zeit bereits in U-Haft waren, sind sie nun auf Bewährung frei. Es ist enttäuschend, dass der illegale Atomwaffenbesitz Großbritanniens in keinster Weise bei der Urteilsfindung berücksichtigt wurde. Wir hielten am Verhandlungstag unsere dritte Mahnwache vor dem Britischen Konsulat in Hamburg ab.

Kontakte spielen für uns eine wichtige Rolle: Wir hatten und haben sehr viel Besuch (siehe hierzu auch unseren Hinweis auf das Besuchswochenende) und waren zu Besuch unterwegs. Privater und Gemeinschaftsbesuch wechselten sich in enger Folge ab, so dass unser Besuchszimmer fast nie leer stand. Zum "Jour Fixe" im Mai fuhren wir nach Fleestedt, wo Schwestern des Ordo Pacis als Kommunität zusammenleben. Jonas und ich besuchten über Pfingsten Clive Gillam und Mena Remedios und ihre drei Kinder, die als Catholic Worker-Gemeinschaft in Oxford ein Haus für Flüchtlinge betreuen. Dabei gab es intensive Gespräche über die Vereinbarkeit von Familien- und Gemeinschaftsleben, was auch hier in unserem Haus der Gastfreundschaft ein wiederkehrendes Thema ist. Im Juni dann besuchte uns auf ihrer Vortragsreise über ihre Gefängnisarbeit in den USA eine Gruppe aus Georgia/USA, die Chris in ihrer Zeit bei der Gemeinschaft Koinonia kennengelernt hatte. Auch der Kontakt zur Kommune Urupia in Süditalien wächst. So beteiligten sich einige von uns an einem Info-Tag über die Arbeit dieser Kommune, um sie in Hamburg bekannter zu machen.

Kürzlich bekamen wir von einer Freundin des Hauses die schöne Rückmeldung: Sie komme schon deshalb gerne zu uns, weil sie sehr freundlich begrüßt werde und Gesichter sie anstrahlten. Ich freue mich, wenn unser Haus der Gastfreundschaft und wir als BewohnerInnen diese Ausstrahlung haben.



Mittragen

Unsere Gastfreundschaft für obdachlose Flücht­linge wird erst mög­lich durch Spenden und ehren­amtliche Mitarbeit
weiter...

Mitfeiern

Hausgottesdienste, Offene Abende und immer wieder mal ein Fest: Herzlich will­kommen bei uns im Haus der Gast­freund­schaft
weiter...

Mitbekommen

Möchten Sie regel­mäßig von uns hören und mit­bekommen, was pas­siert? Abonnieren Sie am besten unseren kosten­losen Rundbrief
weiter...

Mitleben

Immer wieder fragen uns interessierte Menschen, ob und wann sie uns be­suchen kommen können. Wir freuen uns sehr über dieses Inter­esse.
weiter...