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Sehr geehrte Damen und Herren!
![]() 9 m hohe Mauer und Checkpoint zwischen Bethlehem und Jerusalem ![]() Einfahrt zur Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Horst Brief an das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, 10.August 2007 Ich bin Palästinenser und habe meine Dokumente dem Herrn M., der mich vor ca. einem Jahr interviewt hat, ausgehändigt. Den Inhalt meines Interviews kennen Sie bestimmt schon. Als ich nach Deutschland kam, habe ich weder gelogen noch irgendwelche Märchen erfunden. Ich habe es vorgezogen ehrlich zu sein. Mein Ziel und wonach ich strebe, ist meine Freiheit. Ich möchte in meinem Leben frei sein wie jeder andere Mensch hier, ohne Angst. Da, woher ich kam, ist es uns untersagt, sich ohne vorherige Genehmigung von einem Ort zum anderen zu bewegen. Sogar außer Haus zu gehen ist uns manchmal nicht möglich. Dazu kommen die vielen Unruhen, Blut und Demonstrationen. Lange Ausgangssperren zwingen uns tagelang oder sogar wochenlang zu Hause zu bleiben. Das alles führt zu seelischen Spannungen und Druck und verursacht in vielen Fällen psychologische Störungen bei den Menschen. Oft frage ich mich, wozu dieses Leben ist. Hat das Leben nur den Zweck des Essens und Trinkens? Warum kann ich mich nicht – wie andere junge Menschen in dieser Welt – frei bewegen? Oder, wenn ich möchte, zu Freunden oder Bekannten gehen, ohne Angst oder innere Unruhe? Warum kann ich nicht, wenn ich will, einen Kinobesuch machen oder in einem Restaurant essen gehen? Warum kann ich nicht ruhig schlafen, ohne Angst vor dem Morgen zu haben? Warum kann ich nicht arbeiten, ein eigenes Auto oder eine eigene Wohnung haben? Warum muss ich immer in dieser Unsicherheit leben, immer mit der Angst, dass alles, was ich besitze und liebe, jeden Moment zerstört werden kann? Ich möchte mein Leben genießen. Während der vergangenen Jahre habe ich in Angst und Stress gelebt, das genügt mir. Palästina als Heimat habe ich mir nicht ausgesucht. Die vergangenen Jahre reichen mir. Ich möchte mein Leben genießen und erleben, aber wo? Ich habe von Europa gehört und von den dort vorhandenen Menschenrechten. Es kam dazu, dass ich in Deutschland „gelandet“ bin, in dem Land, das ich mochte, wegen des zivilisierten Lebens und des Fortschritts. Sie haben mich nach Horst geschickt. Horst kam mir wie ein Gefängnis vor, ich konnte den Ort nicht ohne vorherige Genehmigung verlassen. Ehrlich gesagt, es kam mir vor wie in Palästina, wo man immer, wenn man seine Stadt verlassen möchte, eine Erlaubnis beantragen und unzählige Fragen beantworten muss! Ich habe diese Situation neun Monate ertragen in der Hoffnung, dass es später besser wird. Zu meiner Enttäuschung wurde ich dann nach St. beordert, wo es keine Schule zum Deutsch lernen gibt, und wo es auch kaum Einwohner gibt, und wo das Leben kaum als solches bezeichnet werden kann. Da frage ich mich, warum dieser seelische Druck besteht? Sie meinen vielleicht, das sei menschlich und mit den Menschenrechten zu vereinbaren. Ich sehe es anders. Ich bitte Sie, mir zu helfen. Ich sitze in meinem Zimmer wie jemand, der behindert und krank ist. Trotzdem möchte ich mich bei allen bedanken, die alles für uns tun, damit wir uns wohl fühlen in unserer neuen Heimat Deutschland. Mit freundlichen Grüßen, Muhammad Y.
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