Diakonische Basisgemeinschaft in Hamburg
Arbeit für Frieden und Gerechtigkeit
Gastfreundschaft für Flüchtlinge
Leben in Gemeinschaft
Mich wundert’s, dass ich so fröhlich bin

Herzlichen Dank an Katrin Krause und Bernhard Breitmann vom Biomarkt Barmbek in der Fuhlsbütteler Straße für die jahrelange Unterstützung!!!

Begegnung mit einem Engel bei unserem Gemeinschaftswochenende im Haus der Ordo Pacis-Schwestern vorn den Toren Hamburgs

von Ilona Gaus / November 2007

Der Herbst zieht ins Land und unsere „Arche“ füllt sich. Zu FreundInnen gewordene Gäste zogen aus, die Zimmer bekamen einen neuen Anstrich und sind inzwischen schon wieder neu bewohnt.

Ich wünschte, wir könnten lossegeln und für alle unsere Gäste ein Stück Erde finden, auf dem sie willkommen sind und ihr Leben leben dürfen. „I have a dream“, hat Martin Luther King gesagt; und wir haben diesen Traum immer noch.

Das ist zurzeit unsere Crew: Ersin aus Kurdistan, Muhammad aus Palästina, Charles aus Sierra Leone, Serena aus Ghana, Ibrahim aus Marokko und André aus Togo. Sechs Gäste, sechs AnsprechpartnerInnen, fünf Kinder, und für Notfälle und BesucherInnen findet sich auch immer noch ein Bett.

In den großen Belangen ist es leicht, einen gemeinsamen Nenner zu finden.
„Nickelig“ wird’s bei den kleinen Reibungspunkten: Wer „versaut“ immer die Waschmaschine mit seinem Weichspüler, wer hat den Fußboden nicht geputzt,
wer lässt die Töpfe schmutzig in der Spüle liegen?Halt das übliche WG-Gedöns...

Viel entscheidender aber sind die gemeinsamen Abende, bei Gespräch, Diskussion und Austausch. Wie viel können wir voneinander lernen! Ich staune, mit welchem Einfühlungsvermögen gerade Menschen mit einem eigenen schweren Schicksal die Klage und Verzweiflung anderer aushalten und große Ruhe und Stärke vermitteln. Ich bin glücklich über gemütliche Spielrunden, wo wir uns entspannt auf ganz andere Weise kennen lernen. Zurzeit wird viel Englisch gesprochen, aber unser Freund Edzard Müller hat schon mit einem Deutschkurs begonnen. Die Motivation ist bei allen sehr hoch, und dass man das Gelernte gleich anwenden kann, ist ein zusätzlicher Vorteil und Ansporn.

Mit Freude denke ich an die Woche zurück, die Heike Schoon aus unseremFreundeskreis, bei uns verbracht hat. Hab Dank für die Fröhlichkeit, die du verbreitet hast!

Ein `Highlight` des vergangenen Monats war außerdem das Fest, das wir aus Anlass von Lisas Praktikumsende undmeinem einjährigen Mitleben bei Brot & Rosen, organisiert haben. Es war wunderbar, dass alle sich daran beteiligten haben – vom Schnibbeln für die Paella, übers gemeinsame Essen, bis zum Spieleparcours und Stockbrot backen. Lisas Bruder Tim spielte ein schönes Lied nach dem andern, das wir und die Kinder auswendig mitsingen konnten. Im Wohnzimmerwurde später noch geklönt und getanzt und zu später Stunde legten Ersin aus Kurdistan und Tim eine Jamsession hin, die ich nicht so schnell vergessen werde. Das war die pure Kommunikation über alle Kultur- und Sprachgrenzen hinweg, geradezu `intergalaktisch`!

Ja, dieses erste Jahr bei Brot & Rosen war so intensiv und voller Erfahrungen für mich – ich bin zutiefst dankbar dafür!

Nachdem unsere Arche zwischen September und Oktober ganz gemütlich in Schwung kam, läuft sie nun „volle Kraft voraus“. Mit Christoph und Eva schauten letztens zwei gute Bekannte von der Basisgemeinde Wulfshagenerhütten
vorbei, und zur selben Zeit besuchte uns auch Melanie Höller, die als Freiwillige im Haus gelebt hat. Wir baten sie gleich, die von ihr so liebevoll gemalte Gästefahne mit den Namen aller MitbewohnerInnen auf den neusten Stand zu bringen.

Dass gerade Hamburg zu Beginn des 20.Jahrhunderts die Drehscheibe für Auswanderer (besonders aus Osteuropa)war, wurde uns im Auswanderermuseum Ballinstadt sehr vielseitig und realistisch vor Augen geführt. Wir haben am 8.11., dem Geburtstag von Dorothy Day, einen gemeinsamen Ausflug dorthin gemacht. Wenn man bedenkt, wie vieleMenschen aus Armut und Verfolgung, mit der Hoffnung, inder neuen Welt mehr Rechte und Gerechtigkeit zu finden, Europa verlassen haben, dann ist es doch um so verwunderlicher,mit welch martialischen Sperranlagen und welch politischer Ignoranz wir heute Menschen mit den gleichen Träumen jeglichen Zutritt verwehren!

Genau diese Thematik erläuterte uns Elias Bierdel, der mit seinem Schiff, der Cap Anamur, 2004 im Mittelmeer Flüchtlinge vor dem Ertrinken rettete. Am 16.11.bei unserem Offenen Abend,schilderte er uns eindrücklich die dramatische Realität an den EU-Außengrenzen, aktuell am Beispiel von Flüchtlingen in Griechenland und deren menschenrechtswidriger Behandlung durch die griechischen Behörden. Um mit dieser Problematik auch an eine breitere Öffentlichkeit zu gehen, veranstalteten wir am 18.11. in der Hamburger Hauptkirche St. Jacobi ein „Requiem für die Toten an den EU-Außengrenzen“.

Auch dieses Jahr wird’s wieder Weihnachten und wie jedes Jahr und schon zu Jesu Zeiten stehen Menschen vor Türen, an denen ihnen der Einlass verwehrt wird.  Im Sommer hat Georgia, eine schwangere Frau aus Bulgarien mit ihrem eineinhalbjährigen Sohn ein paar Wochen mit uns gelebt. Ihr Freund Hikmet hatte sie mehrmals besucht. Wenn ich die beiden so sah in ihrer Hilflosigkeit, musste ich unweigerlich an die „heilige Familie“ denken. Inzwischen ist das Baby geboren, die Probleme sind nicht kleiner geworden. Zwei einfache Menschen – und ein bürokratisches System, das sie völlig überfordert – wo gibt es ein Plätzchen für sie? Aber solange nicht jeder Mensch sein Herz, sein Haus zu einer Herberge macht, wird es auf unserer Erde immer an `Wohnraum` mangeln.

Mit diesen Gedanken wünsche ich Euch und Ihnen allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein eben solches Neues Jahr!Und ich bedanke mich für uns alle bei Brot & Rosen für Eure Begleitungund Unterstützung im vergangenen Jahr!



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