Diakonische Basisgemeinschaft in Hamburg
Arbeit für Frieden und Gerechtigkeit
Gastfreundschaft für Flüchtlinge
Leben in Gemeinschaft
Neues aus der Fabriciusstraße

Nachmittägliche Kinderversammlung in der Sonne. Hier fehlt nur der Älteste, Jonas.

Daniel überreicht Viola einen Segensengel zum Abschied.

Ausflug zum Hafen am Himmelfahrtstag

Europäisches Catholic-Worker-Treffen 2006

von Elisabeth Büngener / Juni 2006

Wer in Gemeinschaft lebt, muss innerlich und äußerlich in Bewegung bleiben. Wir haben festgestellt, dass unsere Berichte aus der Gemeinschaft eigentlich immer mit irgendwelchen Veränderungen zu tun haben. Wieder liegen drei sehr bewegte Monate hinter uns.

Sehr tief traf uns die Entscheidung unserer Novizin Viola, nicht Gemeinschaftsmitglied zu werden, sondern auszuziehen. Zwar zeichnete sich eine Krise schon längere Zeit ab, aber wir hatten bis zum Schluss die Hoffnung, diese gemeinschaftsintern überwinden zu können, und wurden von der dramatischen Zuspitzung der Situation überholt. Es stellte uns auch vor einige organisatorische Herausforderungen, dass Viola zunächst von einem auf den anderen Tag um Urlaub bat, in dem sie dann zu ihrer Entscheidung kam ihren Auszug vorzubereiten. Der fand dann fast zeitgleich mit dem Beginn der schon länger geplanten Auszeit von Familie Gerstner statt. Bei aller Trauer blicken wir auf die gemeinsame Zeit mit Viola sehr dankbar zurück.

Die unerwarteten Ereignisse beeinträchtigten Utas und Dietrichs Wohlgefühl zu Beginn ihrer Auszeit, die bis Ende August dauern wird. Zum Teil sind sie verreist, zum Teil üben sich in Distanz aus der benachbarten Wohnung heraus.

Nun werden zum ersten Mal seit Bezug des Hauses der Gastfreundschaft die Geschicke ausschließlich von Menschen gelenkt, die nicht zur GründerInnengeneration von Brot & Rosen gehören. Namentlich sind das Birke, Melanie, Matt, nach einem Reha-Aufenthalt seit kurzem auch wieder Frauke und ich, Elisabeth.

Planmäßig zog Hassan aus Tunesien am Karsamstag aus. Bereits am selben Tag bezog Sapna aus Marokko dasselbe Zimmer.

Dieser fliegende Wechsel wurde zum Problem, weil Melanie unplanmäßig eine Putzaktion einlegen musste, bevor das Zimmer wieder bewohnbar war.

Eine sehr schwierige und aufregende Woche erlebten wir mit unserem Mitbewohner Ashwani aus Afghanistan. Beim ersten Besuch eines Freundes in dessen Haus nach mehreren Monaten wurde er dort zwei Stunden später von der Polizei abgeholt (wer hat sie benachrichtigt?) und in Abschiebehaft genommen. Nur auf Grund des großen Engagements des Freundes konnte die Abschiebung verhindert werden. Mittlerweile hat er eine Aufenthaltsgestattung und ist in seine alte Wohnung zurückgekehrt.

Weiterhin leben Jean aus Kamerun und Vera aus Russland mit ihren beiden Kindern bei uns. Beide suchen dringend eigene Wohnungen oder Mitwohnmöglichkeiten. Wer kann uns helfen?

Seit Ende Mai wohnt Kleopatra bei uns. Vor über einem Jahr hatte sie uns über die Obdachlosenzeitung Hinz & Kunzt kennen gelernt und bekocht uns seither regelmäßig montags. Sie benötigte kurzfristig ein Zimmer als Übergangslösung auf der Suche nach einer neuen eigenen Wohnmöglichkeit.

Ich selbst habe sozusagen meine Sicherheitsleine und Verbindung zu meinem bürgerlichen Leben losgelassen und meine bisher untervermietete Wohnung aufgegeben. Bei Brot & Rosen lebe ich weiterhin als Novizin mit.

In der Zeit vor Ostern waren wir einige Male eingeladen Gottesdienste mitzugestalten, so z.B. eine Klagenacht in der Hauptkirche St. Petri oder den Karfreitagsgottesdienst in der Hauptkirche St. Katharinen, in dem zu unserem Kreuzweg, der direkt im Anschluss begann, eingeladen wurde.

Diesen Kreuzweg für die Rechte der Flüchtlinge organisieren wir seit sieben Jahren. Erfreulich viele Gruppen und Initiativen beteiligen sich inzwischen an dieser Veranstaltung. So nahmen als MitgestalterInnen das erste Mal Mitglieder der muslimischen Gemeinde teil. Wir freuen uns über die Offenheit und Toleranz, da die Kreuzigung Jesu eigentlich ein kontrovers diskutiertes Thema zwischen MuslimInnen und ChristInnen ist. Trotz der Beteiligung vieler Gruppen und Menschen haben wir als OrganisatorInnen und KoordinatorInnen mit Werbung, Pressearbeit und dem Zusammenbringen der vielen Menschen weiterhin viel zu tun.

Ein weiteres größeres Ereignis war unsere Mai-Kaffeetafel im eigenen Garten. Dank engagierter Mithilfe aus unserem näheren und weiteren Freundeskreis konnten wir bei warmem, trockenem Wetter leckeren Kuchen, heitere Musik und nette Begegnungen genießen.

Im April „feierten“ wir ein kleines Jubiläum: Seit einem Jahr findet einmal wöchentlich die Mahnwache vor der Ausländerbehörde gegen Abschiebungen statt. Die Mahnwache haben wir in Zusammenarbeit mit dem Café Exil initiiert und tragen sie auch personell wesentlich mit. Einerseits sind wir ein bisschen stolz, dass wir dieses Engagement so lange durchgehalten haben. Andererseits sind wir sehr traurig, dass sich hinsichtlich der Abschiebepraxis in Hamburg nichts verbessert, sonder eher eine Verschärfung eingetreten ist.

Unterwegs waren wir auch zusammen, z.B. zum europäischen Treffen der Menschen, die sich zur Catholic Worker-Bewegung zählen, die entweder ebenfalls in einem Haus der Gastfreundschaft leben, eine Suppenküche unterhalten oder andere Aktionen z.B. im gewaltfreien Widerstand gegen Atomwaffen organisieren (siehe Foto auf S. 3). Es ist jedes Mal ein große Stärkung, sich mit so vielen Gleichgesinnten austauschen zu können. Ein Thema, das uns beschäftigte, war die „ministry of hospitality“, Nächstenliebe als geistlicher Dienst. Da fragten sich auch Leute aus anderen Gemeinschaften, wie viel Mithilfe man z.B. von den Gästen erwarten darf oder soll. Aus den USA war Brian Terrell dabei, der Dorothy Day noch zu ihren Lebzeiten kennengelernt und erlebt hatte und anschaulich davon berichtete.

Immer wieder schön für unser Zusammenleben sind unsere Ausflüge: am Himmelfahrtstag machten wir mit unseren MitbewohnerInnen und FreundInnen einen feucht (Regen)-fröhlichen (wir) Ausflug zum Hafen und verbrachten den restlichen Tag mit gemeinsamen Essen und Spielen. Es war umso schöner, weil wir Besuch von einem jungen Ehepaar aus den USA hatten, die eventuell ab Herbst bei uns als Freiwillige mitleben und -arbeiten wollen. So hatten die beiden nicht nur einen Einblick in unseren Alltag, sondern auch in ein Highlight des Gemeinschaftslebens.

Wie üblich hatten wir auch sonst viel Besuch: ehemalige Gemeinschaftsmitglieder und Freiwillige, Menschen, die uns als SpenderInnen oder interessierte RundbriefleserInnen schon lange verbunden sind und uns näher kennenlernen wollten, Mitglieder befreundeter Gemeinschaften und auch manch neues Gesicht. Gerade die jüngste Begegnung mit Annegret, Karl-Heinz und Stefan, die sich vier Tage Zeit für uns nahmen, war ein wunderschönes Erlebnis.

Eine besondere Erprobung unserer Gastfreundlichkeit erlebten wir kürzlich, als auf Grund einer Fehlinformation am Samstagmorgen um 4.30 Uhr eine obdachlose Frau eine Bleibe bei uns suchte. Wir konnten ihr einige Stunden Schlaf in unserem Notbettzimmer und ein Frühstück bieten und Sie an eine Unterkunft für obdachlose Frauen vermitteln. Es ist eine Freude, dass in Gemeinschaft wenigstens so etwas möglich ist. Dennoch bitten wir sehr darum, nicht einfach unsere Adresse herauszugeben, sondern telefonisch vorab zu klären, ob und wann und für wen wir aufnahmebereit sind.

Wie gesagt, diese Monate waren eine ereignisreiche Zeit. Die kommenden werden auch einige Veränderungen bringen. Unsere beiden Freiwilligen Matt und Melanie beenden ihren Dienst bei uns. Joel, der älteste Sohn der Familie Gerstner kommt im August zur Schule, und Birkes Sohn Jonas wird ab dann das Gymnasium besuchen. Familie Gerstner kehrt hoffentlich gestärkt aus ihrer Auszeit zurück, und vielleicht können wir zwei neue Freiwillige begrüßen.

Und auf unser 10-Jahresfest freuen wir uns nun auch schon. Dazwischen liegen Urlaube und Ferienzeit und auch einige Zeiten, in denen wir personell knapp besetzt sein werden und die es mit den verringerten Kräften zu gestalten gilt.



Mittragen

Unsere Gastfreundschaft für obdachlose Flücht­linge wird erst mög­lich durch Spenden und ehren­amtliche Mitarbeit
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Mitfeiern

Hausgottesdienste, Offene Abende und immer wieder mal ein Fest: Herzlich will­kommen bei uns im Haus der Gast­freund­schaft
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Mitbekommen

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Mitleben

Immer wieder fragen uns interessierte Menschen, ob und wann sie uns be­suchen kommen können. Wir freuen uns sehr über dieses Inter­esse.
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