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![]() Diakonische Basisgemeinschaft in Hamburg |
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Die Fülle des Lebens
![]() So klein war ich mal als Baby?“, fragen unsere Kinder angesichts der kleinen Sali ![]() Jim Forest, Autor einer Biografie über Dorothy Day und vie-ler weiterer Bücher, beim Euro-CW-Treffen mit Ilona Gaus von Elisabeth Büngener / Juni 2008 Jedes Mal, wenn ich über die Gemeinschaft berichte, frage ich mich, wie ich eigentlich die vielen Ereignisse im vorgesehenen Platz unterbringen soll. Von März bis Mai sind es drei Monate und doch ist schon wieder so viel geschehen... Zuerst denke ich an die vielen BesucherInnen, die in den letzten Monaten unser Haus bereicherten: Viele Gruppen junger Menschen, KonfirmandInnen, Firmlinge, SchülerInnen, die sich mit dem Thema Flucht und Gemeinschaftsleben auseinandersetzten und für einige Stunden zu uns kamen. Viele Menschen, die sich für unseren Lebensstil und unsere Arbeit interessierten und für einige Tage unseren Alltag teilten. Jeder und jede bringt Fragen, Anregungen und Kritik und gestaltet unser Haus ein bisschen mit. Neue Rezepte, ein bisschen Musik, ein gestrichenes Badezimmer. Die Motive, sich zu uns auf den Weg zu machen, sind unterschiedlich: Joseph von der Franziskusgemeinschaft aus Pinkafeld in Österreich machte einen freundschaftlichen Gemeinschaftsbesuch, Daniel suchte Kontakt zur deutschen Catholic Worker-Gemeinschaft, nachdem er ein Jahr als Freiwilliger in einem Haus der Gastfreundschaft in den USA gearbeitet hatte. Viele junge Menschen, die sich in unserer kapitalistischen Ellenbogengesellschaft mit ihrer Sehnsucht nach Solidarität und ihren Idealen sehr allein fühlen. Stefan Staubli schenkte uns einen Monat seiner beruflichen Auszeit. Von unseren vielen Veranstaltungen, zu denen wir eingeladen haben oder die wir mitgestaltet haben, kann ich nur einige wenige nennen: Der Kreuzweg für die Rechte der Flüchtlinge ist inzwischen ein fester Termin für diejenigen, die sich hauptberuflich oder ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit engagieren. Mit 120 – 150 TeilnehmerInnen können wir - ein bisschen abhängig von der Wetterlage – am Karfreitag rechnen. Wir sind diesmal wieder auf einer Route unterwegs gewesen, die viel Öffentlichkeit verspricht, am Hafen entlang und durch „Planten un Blomen“, einen beliebten Hamburger Park. Trotzdem habe ich den Eindruck, dass nicht die Öffentlichkeit das Wichtigste ist, sondern dass dieser Gang für die Beteiligten selber eine wichtige Möglichkeit ist, all das Leiden an der Stimmung in unserer Gesellschaft gegenüber Zuwanderern, all die Steine, die Politik und Verwaltung ihnen in den Weg legen, all die teilweise minimalen Erfolge der mühseligen Arbeit vor Gott zu tragen, zu klagen, es in vertrauensvollem Gebet Gott sozusagen ans Herz zu legen. Sehr bewegend war auch die Veranstaltung mit Hector Aristizábal, die im Rahmen eines Offenen Abends stattfand. Für mich war nicht nur die Arbeit von und mit Hector beeindruckend. Mut machend war für mich auch die große Zahl der TeilnehmerInnen, die sich für eine solche Sache interessieren, wenn mehrere unterschiedliche Gruppen dazu einladen. Auf Grund des großen Interesses reichte unser Gemeinschaftsraum nicht aus, wir zogen in den Turnraum des Kindergartens um. Eine Freude und Stärkung war wieder unser europäisches Catholic Worker Treffen. Neben alt gedienten MitstreiterInnen aus den verschiedenen Gemeinschaften und deren Freundeskreisen belebten auch viele junge Menschen und Interessierte dieses Treffen. Jim Forest, der Dorothy Day noch persönlich kennen gelernt hat, hielt einen Vortrag, und es gab viele anregende Gespräche zu zweit oder in kleinen Grüppchen. Bei unseren MitbewohnerInnen hat sich auch so einiges getan. André aus Togo hat zumindest wieder eine Duldung, aber wie seine Angelegenheit ausgehen wird, bleibt weiter ungewiss. Trotz der schrecklichen Erlebnisse im Lager Horst wurde die Residenzpflicht nicht aufgehoben, nun ist eine Umverteilung in einen anderen Landkreis vorgesehen, obwohl er hier in Hamburg in ärztlicher Behandlung ist. Judy aus Kenia kam aufgrund einer akuten Notsituation in unser zu der Zeit übervolles Haus. Eigentlich sollten es nur wenige Tage werden, bis eine offizielle Unterkunft organisiert sein würde. Aber, wie meist, dauerte es dann doch einige Wochen, bis die Kostenübernahme durch das Sozialamt geklärt war. Neu bei uns ist auch Alaa aus Jordanien, die Freundin von unserem Mitbewohner Muhammad. Hochschwanger und mit massiven Beschwerden wollte er sie nicht in der Flüchtlingsunterkunft im Mehrbettzimmer allein lassen. Erfreulicherweise hatten wir wieder Platz. Inzwischen gibt es noch eine kleine neue Erdenbürgerin – Sali. Muhammad und Ilona haben zusammen mit Mutter und Kind die nicht einfache Geburt mit großer Ausdauer und Mut durch gestanden. Die dreijährige Tochter einer weiteren Mitbewohnerin ist für Birkes Tochter Lea-Susanna eine tolle Spielgefährtin geworden. Die beiden bringen viel Fröhlichkeit ins Haus. Es ist aber auch erstaunlich, wie viel „Kleinunfug“ zwei so lebendigen kleinen Mädchen einfällt. Plötzlich vor der Tür stand der Sohn eines ehemaligen Mitbewohners, dem wir zumindest ein Notquartier anbieten konnten, bis eine andere Wohnmöglichkeit gefunden war. Der Tod unseres ehemaligen Mitbewohners Hamidur hat uns tief erschüttert. Wir hatten die berechtigte Hoffnung auf eine gute Entwicklung seiner rechtlichen Angelegenheiten – ein Antrag bei der Härtefallkommission in Rheinland-Pfalz war gestellt. Aber seine Kräfte waren durch sein bewegtes Leben schon über Gebühr beansprucht. Ich bin traurig diesem begabten, freundlichen und aufmerksamen Menschen nie wieder in diesem Leben begegnen zu können. Und ich bin traurig, dass seine Hoffnung auf ein erfülltes Leben in Sicherheit nicht Realität werden konnte. Auch Ankunft und Abschied in unserer Gemeinschaft bewegen uns. Uta ist gut wieder heimgekehrt von der großen Reise nach Papua-Neuguinea. Gott sei Dank! Frauke Niejahr wird sich verabschieden aus unserer Runde. Sie hat die Verbindlichkeiten aus persönlichen Gründen in diesem Frühjahr nicht wieder erneuert. Wir sind dankbar für die Zeit miteinander; wir verlieren eine tatkräftige, kreative und feinfühlige Gemeinschaftsschwester. Christiane Wiedemann ist seit Anfang Mai wieder bei uns und hat uns ein halbes Jahr Mitarbeit als Freiwillige zugesagt. Ab Juli wird Jessica Drews zu uns kommen, und nach ihrem Studium der Sozialen Arbeit ihr Berufsanerkennungsjahr bei uns machen. Auf und über beide freuen wir uns sehr. |
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