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Zeit der Rosen
![]() Das Team von „Fluchtpunkt“, DER kirchlichen Beratungsstelle für Flüchtlinge in Hamburg, bei uns zu Gast – danke für eure engagierte Arbeit! ![]() Im Frühjahr riefen wir zu Spenden für Familie Demirovic auf. Kürzlich erhielten wir einen Dankesbrief aus Serbien: „Lieber Dietrich! ... Wie geht es Euch allen? Uns geht es soweit gut. Dejan ist viel unterwegs mit seinem Kombi, er ist meistens in Belgrad. Manchmal verdient er mehr, manchmal aber auch weniger. Er fährt die Musiker von Kneipe zu Kneipe. ... Nur am Wochenende verdient er mit den Musikern Geld. ... Wir bedanken uns an die Brot & Rosen-Gemeinschaft und an alle Spender. Vielen, vielen herzlichen Dank. Mit freundlichen Grüßen! Tatjana,+ Dejan + Antonio + Andrea“ von Ilona Gaus u. Christiane Wiedemann / September 2008 Wir blicken auf den Sommer zurück und pflücken aus dem bunten Blumenstrauß ein paar Blüten heraus. Im Juni gab es die Fußball-EM. Wir verbrachten etliche vergnügliche Abende vor der Glotzkiste, und das hausinterne Tippspiel führten ausgerechnet diejenigen an, die am wenigsten „Fußball-Wissen“ besaßen. Beim Gang zur Ausländerbehörde ist unser Mitbewohner André ein weiteres Mal nur knapp Inhaftierung und Deportation entgangen. Er scheint einen besonderen Schutzengel zu haben und auch zu brauchen. Ende Juni besuchte uns das Team der kirchlichen Flüchtlingsberatungsstelle „Fluchtpunkt“. Nach vielen Jahren der guten Zusammenarbeit lernten sie uns und unseren Alltag einmal „live“ kennen. Anlass für den Besuch war ein Teamtag zu “Einführung in die Bibel” mit Dietrich. Unser Leben zog im Juli in gewohnter Weise seine Spuren von Ankunft und Abschied. Eine Gruppe aus Südafrika suchte Austausch und Anregung, da sie in ihrer Gemeinde massiv mit den Nöten von Flüchtlingen konfrontiert sind. Durch die Partnerschaft mit der Wandsbeker Kreuzkirche entstand die Idee, in ihrer Gemeinde in Durban ein ähnliches Projekt wie Brot & Rosen aufzubauen. Unsere Frankfurter Freundin Hildegund, die vor einem Jahr drei Monate lang „Basiserfahrungen“ bei uns suchte, hat uns auch heuer mit einem Besuch erfreut. Christina und Betty, veranschaulichen sehr gut, wie unterschiedlich Mitbewohnerinnen bei uns heimisch werden, und wie unterschiedlich sie uns schließlich wieder verlassen. Manchmal vollzieht sich alles gradlinig in gegenseitiger Anerkennung; und manchmal geht es nur mit einem ordentlichen „Gewitter“. Wir wünschen beiden alles Gute! Und dann kam die Ferienzeit. Unsere Gemeinschaftskinder suchten mit ihren Eltern das Weite. Die „Zurückgebliebenen“ hatten drei ruhige Wochen vor sich, da wir beschlossen hatten, in dieser Zeitspanne keine neuen Gäste aufzunehmen. Neben dem Alltag standen gemeinsame Filmabende, Ferienbesuch von Nichten und Neffen einer Mitbewohnerin, Schwimmengehen und ein Ausflug an die Ostsee auf dem Programm. Vertieft hat sich der Kontakt zu der deutschen Moschee in der Nachbarschaft. Die muslimischen Frauen treffen sich dort regelmäßig und unternehmen manches gemeinsam. Nach den ruhigen Tagen näherte sich unser sommerliches Highlight: das Klima- und Antira-Camp. Jede von uns beteiligte sich nach Kräften an den Vorbereitungen und vielen verschiedenen Aktivitäten. Eine Woche lang herrschten im Haus anarchistische Zustände: kein Kochplan, kein Putzplan, kein Hausdienst, kein Computer (da virusinfiziert)! Dafür fanden spontane Round-Table-Gespräche mit allen MitbewohnerInnen statt. Den UrlaubsrückkehrerInnen blieb nicht lange Zeit zum Ankommen. In circa einer Woche waren alle freien Zimmer wieder belegt. James aus Indien und Rashid aus Algerien baten um Aufnahme. Solomon, ein BVS-Freiwilliger aus USA wird uns ein Jahr lang unterstützen. Und Marvin, der in Israel ein soziales Jahr ableisten will, macht bei uns 10 Tage interkulturelle Erfahrungen. Allen ein herzliches Willkommen! Die vielen „Neuen“ waren eine große Hilfe für das letzte erwähnenswerte Ereignis: das ökumenische Kommunitätentreffen, das wir am 6.9. mit vereinten Kräften ausgerichtet haben. Es ist immer wieder eine schöne Erfahrung, mit Brüdern und Schwestern aus so vielen verschiedenen Gemeinschaften ins Gespräch zu kommen. Dieses Mal wurden sie ausführlich über die Catholic Worker–Bewegung informiert. Angeregt durch einen Vortrag von Professor Andrea Tafferner, Film und Hausführung fand in Arbeitsgruppen ein reger Austausch statt. Im Moment sind wir mitten im Ramadan, der dieses Jahr von Anfang bis Ende September dauert. Er wird von unseren muslimischen MitbewohnerInnen auf intensive, aber auch unterschiedliche Weise begangen und bringt so manchen Gesprächsbedarf mit sich, da neue Abläufe (tagsüber fasten) die gewohnten Strukturen durcheinander wirbeln. Interkulturelles Zusammenleben ist eine echte Herausforderung für alle. Als wir eben unseren Hausartikel gemeinsam formulierten, saßen wir unter unserem blühenden Rosenbusch auf der Terrasse. Noch blüht er in verschwenderischer Pracht, doch die ersten braunen Blätter künden vom kommenden Herbst. Die spielenden Kinder toben auf dem Hof und an ihnen wird am deutlichsten sichtbar, wie schnell die Zeit vergeht. Wie konnten wir nur vergessen zu erwähnen, dass die kleine Sali in der Zwischenzeit mächtig gewachsen ist: von 2,5 kg auf inzwischen stattliche 5,5 kg; dass die Zwillinge Elias und Daniel seit dem 3.9. stolz in die Vorschule gehen; dass Gianna jetzt j e d e n Tag in den Kindergarten gehen kann, und Lea-Susanna 5 Jahre alt geworden ist! |
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